Drei Thesen zu Kosten und Nutzen digitalisierter Hochschullehre

Universitäre Lehre wird auch weiterhin durch Präsenzlehre dominiert. Erfolgreiche Kompetenzvermittlung wird für die Mehrheit der künftigen Studierenden Begegnungen, Beziehungen und Verbindlichkeit erfordern. Chance der Digitalisierung ist die Anreicherung der Präsenzlehre.

#1. Die Finanzierung digitaler Lehre

Die Digitalisierung der regulären universitären Lehre kostet Geld – und bringt zunächst keines ein. Daher braucht sie eine auskömmliche und dauerhafte Finanzierung, die ein Mix aus zentraler Infrastruktur und dezentraler, fachnaher Kompetenz ermöglicht. Sie muss innovative Ideen ebenso wie kontinuierliche Anwendung und notwendige Anpassung fördern.

Wenn im Rahmen einer hochschulweiten Digitalisierungsstrategie statt 0,5-1% künftig 2-5% des Hochschulbudgets für die Digitalisierung der Lehre ausgeben werden, kann dauerhaft eine Breitenwirkung erzielt werden. Unerlässlich ist es, dass die Lehrenden in die Lage versetzt werden, Inhalte zu generieren bzw. diese generieren zu wollen.

Digitalisierte Lehre benötigt hauptsächlich Personal (Beratung, Begleitung, Betreuung Infrastruktur, Lehrentlastung), weil die Infrastruktur (WLAN etc.) vorhanden oder im Vergleich zum Personal (Lizenzen, Server) finanziell nicht wirklich relevant ist.

Dauerhafte Aufgaben (Infrastruktur, Koordination) erfordern in der Regel Dauerstelleninhaber.

#2. Der Ertrag digitaler Lehre

Der Ertrag digitalisierter Lehre ist eine hochschuldidaktisch wertvollere Lehre, weil sie neue Möglichkeiten zur adaptiven Lehre erschließt und hierdurch heterogenitätssensibler sein kann. Digitalisierte Lehre entspricht zudem der Lebenswirklichkeit der Lernenden.

Die Digitalisierung der Lehre kostet die/den Lehrenden Zeit und muss bereits mittelfristig (1-2 Jahren) zu einem wahrgenommenen Mehrwert für sie/ihn führen – insbesondere auch in Konkurrenz zum „Rat-Race Forschung“. Der „Return on Invest“ benötigt aber Zeit und wird daher insbesondere bei Dauerstellen mit einem Schwerpunkt in der Lehre wahrnehmbar.

Möglicher Weise lassen sich Aufwände bei der Digitalisierung von Lehre durch die erneute Verwendung in kostenpflichtigen Weiterbildungsstudiengängen refinanzieren.

#3. Gelingensbedingungen digitaler Lehre

Digitalisierte Lehre ist ein Aspekt hochschuldidaktisch fundierter Lehre. Die Teilnahme an entsprechenden Fortbildungen sollte bis zu einem gewissen Grad für Lehrende auch noch nach der Berufung verpflichtend sein. Sie muss auch aufzeigen, welche didaktischen Vorteile und welche langfristige Entlastung digitalisierte Lehre für das jeweilige Fach mit sich bringt. Es braucht – wie generell für gute Lehre – die Bereitschaft des Lehrenden, sich auch als Lernender zu verstehen.

Lehrende brauchen sichtbare Rollenvorbilder und müssen erkennen, dass die Hochschulleitung die Digitalisierung der Lehre möchte und wertschätzt. Preise und Projektförderungen geben Anreize, die Finanzierung darf aber nicht darauf begrenzt sein, wenn sie nachhaltig wirken soll.

Das zusätzliche Engagement der Lehrenden muss angemessen honoriert werden, wenn Inhalte in der Breite erzeugt werden sollen. Für 7.500 € pro Jahr und Professor*in wären eine Deputatsreduktion von 2SWS (durch Lehrauftrag für ein Semester) und knapp 10 h Hilfskräfte pro Woche zur Umsetzung finanzierbar. Das wären bei 600 Professor*innen 4,5 Mio. € pro Jahr. Förderungsvoraussetzung könnte sein, dass die Hochschule die zentrale (Beratungs-)Infrastruktur zur Verfügung stellt.

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